Monatsinspiration Juni – Perfektionismus – Bin ich gut genug?

Bald stehen die Sommerferien vor der Tür. Jippie!
Ich liebe die Berge. So sehr, wie ich das Meer mag, so sehr erfüllt und begeistert es mich, in majestätische Berglandschaften einzutauchen, einen Gipfel zu erklimmen, oben zu stehen und auf die unglaublich faszinierende Bergwelt zu schauen. Dort oben empfinde ich Demut. Demut vor der Größe, Schönheit und Ursprünglichkeit. So ein Gefühl von „Alles ist perfekt. Genauso, wie es ist.“
Wir reden von „einem perfekten Tag“ und meinen damit einen erfüllten Tag, an dem es uns an nichts gefehlt hat. An dem wir uns einfach wohl gefühlt haben. Glücklich, sicher, geliebt, geborgen. Wenn wir ein neugeborenes Baby bestaunen, dann ist dieses Wesen in unseren Augen „perfekt“.
Was meinen wir damit? Wenn ich nachlese, was das Wort „Perfektion“ bedeutet, dann steht dort „Vollendung, Vollkommenheit (in der Ausübung, Ausführung von etwas)“. Eigentlich doch ganz schön, oder?
Wenn wir allerdings das Wort „Perfektionismus“ lesen, so denken wir gleich an Anstrengung, Stress, keine Fehler machen dürfen, Getrieben-Sein, nie zufrieden sein, zu hohe Ansprüche an sich selbst haben, nie gut genug zu sein.

WAS STECKT HINTER DEM WORT „PERFEKTIONISMUS“?

Da dieser Begriff sehr komplex ist, existiert für ihn keine einheitliche Definition. Im Wesentlichen geht es beim Perfektionismus um das Streben nach dem Fehlerlosen und das in verschiedenen Lebensbereichen, meistens aber im beruflichen Kontext. Die Bestrebung besteht darin, immer noch besser zu werden. Perfektionist*innen kennzeichnen sich dadurch, dass sie sehr hohe Ansprüche an sich selbst haben. Hierbei gibt es jedoch keine objektive Norm, die genau angibt, ab wann ein Anspruch hoch genug ist, um perfektionistisch zu sein. Ausschlaggebend ist, wie fordernd es für die Person wahrgenommen wird, möglicherweise auch als überfordernd und welche gesundheitlichen Auswirkungen daraus resultieren.

Es gibt allerdings einen „funktionalen“ und einen „dysfunktionalen“ Perfektionismus.
Beim funktionalen (=positiven) Perfektionismus streben Personen danach, Aufgaben fehlerfrei zu erledigen. Und ganz ehrlich: wenn ich in ein Flugzeug steige oder mich bei einer anstehenden OP in die Hände einer Chirurgin/eines Chirurgen begebe, wäre es mir sehr wichtig, dass diese Personen abstreben, keine Fehler zu machen. Beim funktionalen Perfektionismus ist den Personen allerdings bewusst, dass es nicht immer möglich ist, die gesetzten Erwartungen und hohen Ziele zu erfüllen. Wenn doch mal ein Fehler passiert, fühlen sie sich nicht direkt in ihrem Selbstbewusstsein verletzt und können daraus Lernerfahrungen machen. Zudem hängt beim positiven Perfektionismus der Selbstwert nicht nur von der eigenen Leistung ab.

Dysfunktionaler Perfektionismus

Perfektionismus kann allerdings sehr problematisch werden und gravierende gesundheitliche Auswirkungen haben. Ein dysfunktionaler (=negativer) Perfektionismus ist häufig mit Leidensdruck für Betroffene verbunden, welcher mehr oder weniger bewusst wahrgenommen wird. Beim dysfunktionalen Perfektionismus besteht eine Tendenz dazu, das eigene Selbstwertgefühl von erbrachter Leistung und Anerkennung von anderen Personen auszumachen. Die eigenen Ansprüche werden hierbei so hoch gesetzt, dass sie nicht erreichbar sind. Der Fokus liegt zwanghaft darauf, keine Fehler zu machen. Da dies im Alltag aber nicht immer möglich ist, befinden sich Personen in einem langanhaltenden angespannten Zustand. Personen sind schnell unzufrieden mit sich selbst und nie ganz zufrieden, auch wenn ein gesetztes Ziel erreicht worden ist. Dies liegt daran, dass immer das Gefühl besteht, man hätte es noch besser machen können, obwohl andere vielleicht auch anderer Auffassung. Es entsteht eine verzerrte Wahrnehmung, die zu einer übertriebenen Versagensangst führt. So verspüren betroffene Personen oft eine unangenehme Grundanspannung und Nervosität.

UND WAS HAT DAS JETZT ALLES MIT YOGA ZU TUN?

Gehen wir nochmal an den Anfang des Textes zurück – „perfekt“ ist etwas, wenn es vollkommen, vollendet ist. Und eines hat mir Yoga über all die Jahre gelehrt: dein Körper, dein Geist, das Leben und so wie alles gedacht war, ist vollkommen. Immer wieder ermuntere ich meine Yogaschüler*innen – und auch mich- sich vorzustellen, dass du heute Yoga praktizierst, WEIL du einen so WUNDERvollen Körper und Geist hast, WEIL du dich und das Leben, welches du leben darfst, wertschätzt. Es ist so elementar anders, wenn du aus einem erfüllten Zustand oder aus einem Mangelzustand Yoga praktizierst.

Und na klar weiß ich auch, dass ich mich nicht jeden Tag erfüllt und wunderbar in und mit meinem Körper fühle. Aber ich kann mich darin üben. Liebevoll, geduldig und jeden Tag ein bisschen. Und ich garantiere dir, dass dein Leben weniger anstrengend wird. Denn nichts ist so anstrengend, wie immer anders, besser, liebevoller und wertvoller sein zu wollen. Ein getriebenes, unzufriedenes und stressiges Leben. 

EINE KLEINE ÜBUNG FÜR DICH (©Anna Schaub)
Wenn du Schritt für Schritt aus deinem Mangelhamsterrad herauskommen möchtest, habe ich eine kleine Übung für dich. Du brauchst ein bisschen Zeit, einen ruhigen Ort und einen Stift und Zettel.

Schritt 1

Schreibe dir deine „Wenn-Dann-Sätze“ auf (durch alle Lebensbereiche) Beispiel:

  • „Wenn ich mehr Yoga machen würde, dann würde ich mich entspannter und glücklicher fühlen.“

  • „Wenn ich mehr Sinnvolles mit meiner Zeit anfange, dann habe ich das Gefühl, die Zeit, die ich habe, wirklich bewusst genutzt und genossen zu haben.“

  • usw…

Schritt 2

Kreise alles nach dem DANN ein. Beispiel:

  • „Wenn ich mehr Yoga machen würde, dann würde ich mich entspannter und glücklicher fühlen.“

  • „Wenn ich mehr Sinnvolles mit meiner Zeit anfange, dann habe ich das Gefühl, die Zeit, die ich habe,

    wirklich bewusst genutzt und genossen zu haben.“
    Das ist das, was du WIKLICH willst. Und es deckt auf, was du meinst von außen zu brauchen, um dich so zu fühlen oder diese Qualität zu leben.

Schritt 3

Drehe die Sätze um. Beispiel:

  • „Ich bin entspannt und glücklich UND ich praktiziere Yoga“

  • „Ich genieße es viel Zeit zu haben UND fülle diese mit etwas für mich Sinnvollem.“


Das kannst du, wie gesagt durch alle Lebensbereiche machen. Es holt dich aus dem Denken heraus, du müsstest Dies und Jenes tun und machen, um dich dann so und so zu fühlen. So, wie du dich fühlst, hat nichts mit dem Äußeren zu tun.

Denn es gibt ja auch Menschen, die nur ganz wenig Zeit haben und diese dennoch sinnvoll nutzen genießen. Oder es gibt auch Menschen, die entspannt und glücklich sind und kein Yoga praktizieren 😉

Und für deine Yogapraxis heißt das, dass du ALLES machen kannst und darfst – wenn du davon ausgehst, dass das, was du tust, FÜR dich und deinen wundervollen Körper ist. Du kannst du dich ausprobieren, Neues wagen oder auch ganz mutig mal nichts machen. Manchmal ist weniger mehr.
Dazu werden wir dich diesen Monat in unseren Yogastunden inspirieren.

Alles Liebe von mir

Katharina

 
 

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